Schnelle Antwort: Beide geogrids und Geotextilien (Geo-Gewebe) sind geosynthetische Materialien auf Polymerbasis, die in der Bau- und Geotechnik eingesetzt werden. Sie haben jedoch grundlegend unterschiedliche Hauptfunktionen. Geogitter sind offene Gitterstrukturen, die dazu dienen, den Boden und das Granulat mechanisch zu verstärken, indem sie Zugfestigkeit und verriegelnde Einschlusswirkung bieten. Geotextilien hingegen sind durchgehende, durchlässige Gewebebahnen, die hauptsächlich zur Filtration, Trennung, Entwässerung und zur Kontrolle der Oberflächenerosion eingesetzt werden.

Laut Koerner (Entwerfen mit Geosynthetika, 6. Aufl., Xlibris, 2012) sowie Holtz, Christopher und Berg (Geosynthetische Ingenieurwissenschaft, BiTech Publishers, 2008) richtet sich die Wahl zwischen diesen beiden Produkttypen nach der dominierenden geotechnischen Funktion – Verstärkung oder Filtration/Trennung – sowie nach den spezifischen Last-, Entwässerungs- und Bodeninteraktionsbedingungen jedes Projekts. Verbundsysteme, sogenannte Geocomposite, die beide Funktionen kombinieren, werden in komplexen Anwendungen immer häufiger eingesetzt.

Einführung

Die Geosynthetikbranche umfasst eine breite Palette von polymerbasierten Baustoffen, die seit ihrer breiten Einführung in den 1970er Jahren die Praxis der Bau-, Geotechnik- und Umwelttechnik revolutioniert haben. Zwei Produktfamilien, die häufig spezifiziert und oft verwechselt werden, sind Geogitter und Geo-Gewebe. Obwohl sie auf einem Lieferanten-Spezifikationsblatt ähnlich aussehen, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Materialarchitektur, ihrem ingenieurtechnischen Wirkmechanismus und ihrem Einsatzbereich. Beide werden aus thermoplastischen Polymeren wie Polypropylen, Polyethylen oder Polyester hergestellt und sowohl als Rollenware geliefert und installiert an der Schnittstelle zwischen Bodenschichten oder zwischen Boden und Granulatfüllung. Der strukturelle Unterschied zwischen ihnen – starre, offene Gitternetze versus durchgehende, durchlässige Gewebefolien – führt zu unterschiedlichen ingenieurtechnischen Verhaltensweisen, die ihre jeweiligen Rollen in Projektvorgaben bestimmen.

Diesen Unterschied zu verstehen ist nicht nur eine akademische Übung. Die Spezifikation eines Geogitters anstelle eines Geotextils – oder umgekehrt – kann zu vorzeitigem strukturellem Versagen, unterschiedlicher Setzung oder beschleunigter Erosion der Oberflächen führen, die diese Materialien schützen sollten. Für Infrastrukturingenieure, Landschaftsbauer, Straßenbauer und Stützwanddesigner gleichermaßen ist ein klares, technisch fundiertes Verständnis der Unterschiede zwischen Geogittern und Geotextilien unverzichtbar, um fundierte Materialauswahlentscheidungen treffen zu können.

Was ist ein Geogitter? Material, Struktur & Mechanismus

Ein Geogitter ist ein geosynthetisches Produkt, das sich durch seine offenporige, gitterartige Struktur auszeichnet – ein regelmäßiges Array miteinander verbundener Längs- und Querrippen, die rechteckige, quadratische oder dreieckige Öffnungen (Aperturen) bilden, deren Breite typischerweise zwischen 10 und 100 mm liegt. Diese offene Struktur ermöglicht die primäre ingenieurtechnische Funktion des Geogitters, nämlich die Verstärkung von Boden und Granulat durch mechanischen Verriegelungseffekt und Zugbelastungsübertragung. Wenn granuliertes Granulat oder verdichtetes Füllmaterial über oder um ein Geogitter gelegt wird, dringen die Granulatpartikel in die Aperturen ein und werden um die Gitterrippen herum festgehalten. Dadurch entsteht eine zusammengesetzte Boden-Geogitter-Struktur, die eine deutlich höhere Scherfestigkeit und Tragfähigkeit aufweist als unverstärkter Boden oder Granulat.

Geogitter werden nach drei Hauptmethoden hergestellt. Gestanzte und gezogene Geogitter – die häufigste Art – werden hergestellt, indem ein regelmäßiges Lochmuster in eine Polymerfolie gestanzt und dann die gestanzte Folie einachsig oder doppachsig gedehnt wird, sodass die Polymermolekülketten parallel zu den Rippenachsen ausgerichtet werden. Dies erhöht die Zugsteifigkeit und die Endfestigkeit des Geogitters. Gewebte Geogitter entstehen, indem hochfestes Polyester- oder Polypropylen-Garn zu einem Gittergewebe verwoben und anschließend die Knotenpunkte beschichtet oder eingekapselt werden, um die Struktur zu stabilisieren. Geschweißte oder geklebte Geogitter werden aus extrudierten Polymerstäben zusammengesetzt, die an ihren Kreuzungspunkten verbunden werden. Die Zugfestigkeit kommerzieller Geogitter liegt zwischen etwa 20 kN/m und über 200 kN/m in der Hauptlastrichtung. Die Knotenpunkt-Effizienz, definiert durch die Prüfmethoden ASTM D6637 und ISO 10319, ist ein entscheidender Leistungsparameter, der den Anteil der erhaltenen Rippenfestigkeit an den Knotenpunkten angibt.

Geogitter
Geogitter

Was ist ein Geo-Gewebe (Geotextil)? Zusammensetzung & Funktion

Ein Geotextil, formal bekannt als Geo-Gewebe gemäß den Definitionen von ASTM D4439 und ISO 10318-1, ist eine durchlässige, durchgehende, zweidimensionale Textilstruktur aus synthetischen Polymerfasern oder -filamenten ohne offene Öffnungen im Sinne eines Geogitters. Geotextilien zeichnen sich durch ihre Gewebekontinuität aus; sie wirken als durchlässige Barrieren, die Wasser passieren lassen, gleichzeitig aber Bodenpartikel zurückhalten. Diese Leistungsfähigkeit wird durch zwei Schlüsselparameter quantifiziert: die scheinbare Öffnungsgröße (AOS), die die größte Bodenpartikelgröße definiert, die das Gewebe zurückhält (gemessen nach ASTM D4751); sowie die Permittivität, die die volumetrische Durchflussrate von Wasser durch das Gewebe pro Einheit Höhendifferenz angibt (gemessen nach ASTM D4491).

Geotextilien werden in zwei Hauptformen hergestellt. Gewebte Geotextilien werden auf Standard-Textilwebstühlen hergestellt, indem Monofilament- oder Multifilamentgarne senkrecht zueinander verflochten werden. Ihr regelmäßiges, enges Gewebe ergibt eine hohe Zugfestigkeit und relativ gleichmäßige Porengrößen, wodurch sie gut für Anwendungen geeignet sind, bei denen Trennung und Verstärkung unter dauerhafter Belastung erforderlich sind. Nicht gewebte Geotextilien entstehen, indem zufällig orientierte Kurzfasern oder kontinuierliche Filamente durch Nadelstechen, thermisches Bonden oder chemisches Bonden miteinander verbunden werden. Ihre zufällige Faserausrichtung erzeugt eine gewundene Porenstruktur mit ausgezeichneter Partikelrückhalteleistung und hoher In-Plane-Drainagekapazität, was sie zur dominierenden Wahl für Filtrations-, Entwässerungs- und Erosionsschutzanwendungen macht. Das Flächengewicht von nicht gewebten Geotextilien liegt typischerweise zwischen 100 g/m² und 1.000 g/m²; höhere Flächengewichte bieten eine höhere Filtrationsrobustheit und Durchstichfestigkeit.

Geotextil
Geotextil

Geogitter vs. Geo-Gewebe – Kernvergleich

Struktur Offenporiges Gitter (10–100 mm große Öffnungen) Durchgehende, durchlässige Gewebefolie
Primäre Funktion Verstärkung von Boden/Granulat Filtration, Trennung, Entwässerung
Material PP, HDPE, PET (extrudiert oder gewebt) PP- oder PET-Fasern (gewebt oder nicht gewebt)
Zugfestigkeit 20–200+ kN/m 10–100+ kN/m (gewebt); 5–40 kN/m (nicht gewebt)
Rückhaltung von Bodenpartikeln Keine – Partikel passieren frei durch die Öffnungen Ja – hält Boden durch AOS-Spezifikation zurück
Wasserfluss Uneingeschränkt durch offene Öffnungen Gesteuerte Permeabilität (Permittivität)
Schlüssel-ASTM-Normen D6637, D7737, ISO 10319 D4759, D4751, D4491, D4533
Typische Anwendungen Straßenuntergrundverstärkung, Stützwände, Böschungen Entwässerungshülle, Erosionsschutzdecke, Trennschicht
Installationsposition Zwischen Granulatschichten oder an der Untergrundgrenze Zwischen Boden und Granulat; um Entwässerungsrohr
Lastübertragungsmechanismus Verriegelung des Granulats in den Öffnungen Kein primär tragender Mechanismus

Schlüsselige funktionale Unterschiede: Wann welches Material am besten funktioniert

Der wichtigste Unterschied zwischen Geogitter und Geotextil liegt nicht in ihrer Polymerchemie oder Herkunft, sondern in dem spezifischen geotechnischen Mechanismus, den jedes Material im Boden nutzt. Ein klares Verständnis dieser Mechanismen ist die Grundlage für die richtige Materialauswahl.

Geogitter sind ideal für Verstärkungsanwendungen, bei denen es darum geht, die Zugfestigkeit und Steifigkeit granularer oder bindiger Bodensysteme zu erhöhen, die von Natur aus in Zugrichtung schwach sind. Böden und granulare Zuschlagstoffe sind unter Druck stark, aber in Zugrichtung schwach; sie können den seitlichen Ausbreitungskräften, die sich unter belasteten Fahrbahnen, innerhalb hoher Stützwände oder unter der Verfüllung steiler Böschungen entwickeln, nicht standhalten. Wenn ein Geogitter an der Basis eines granularen Straßenunterbaus eingebaut wird, wirkt es durch das Verhaken des Zuschlagstoffs in seinen Öffnungen sowohl mit dem darüber als auch mit dem darunter liegenden Zuschlagstoff zusammen. Dadurch wird die Zugfestigkeit des Geogitters effektiv in eine seitliche Einspannkraft umgewandelt, die der Ausbreitung des Zuschlagstoffs unter Radlast entgegenwirkt. Wie in AASHTO M288-17 dokumentiert und durch jahrzehntelange überwachte Leistungsdaten bestätigt, führt dies zu einer messbaren Reduzierung der erforderlichen Dicke des Zuschlagstoffunterbaus – typischerweise 20–40 % für gleichwertige strukturelle Leistung – sowie zu einer Verlängerung der Lebensdauer der Fahrbahn.

Geo-Gewebe zeichnen sich hervorragend in Filtrations- und Trennanwendungen aus, wo das ingenieurtechnische Ziel darin besteht, zu verhindern, dass zwei Materialien – typischerweise ein feinkörniger Untergrundboden und ein grober Zuschlagstoffunterbau – sich unter dynamischer oder statischer Belastung vermischen, während gleichzeitig freie Wasserbewegung quer durch die Gewebefläche ermöglicht wird. Ohne Trennschicht drücken sich die Feinanteile eines schwachen Untergrundbodens unter wiederholter Verkehrsbelastung nach oben in die Hohlräume eines Zuschlagstoffunterbaus, kontaminieren und schwächen dabei den Zuschlagstoff und destabilisieren zugleich den Untergrund – ein Versagensmechanismus, der Straßenuntergründe auf weichem Untergrund rasch zerstört. Ein nicht gewebtes Geotextil mit korrekt spezifiziertem AOS wird zwischen Untergrund und Unterbau eingebracht, um diese Feinpartikelmigration zu blockieren und gleichzeitig die Entwässerungskontinuität aufrechtzuerhalten, wodurch die Lebensdauer der Fahrbahn verlängert wird, ohne zusätzliche strukturelle Dicke hinzuzufügen. Das gleiche Filtrationsprinzip gilt für die Verwendung von Geotextilfilterummantelungen um perforierte Entwässerungsrohre, Geotextil-Erosionsschutzmatten auf geschnittenen Böschungen sowie Geotextilunterlagen in Küstenbefestigungsstrukturen.

Geotextilien leisten außerdem einen sekundären Verstärkungsbeitrag in einigen gewebten Gewebeanwendungen – insbesondere bei der Stabilisierung sehr schwacher Untergründe, wo die Zugfestigkeit des Gewebes dazu beiträgt, Oberflächenlasten auf eine größere Untergrundfläche zu verteilen – doch diese Verstärkung ist geografisch diffus und mechanistisch anders als der konzentrierte Zuschlagstoffverhakungsverstärkungsmechanismus eines Geogitters. In Anwendungen, bei denen Verstärkung das dominierende Leistungsmerkmal ist, wird ein Geogitter stets besser abschneiden als ein Geotextil gleicher Kosten.

Anwendungs-Matrix – Auswahl zwischen Geogitter und Geo-Gewebe

Unbefestigte Straße über weichem Untergrund ✅ Primäre Wahl ✅ Trennschicht ✅ Geogitter + nicht gewebtes GTX
Verstärkung des gepflasterten Straßenunterbaus ✅ Primäre Wahl
Mechanisch stabilisierte Erde (MSE)-Stützmauer ✅ Erforderlich
Verstärkung steiler Böschungen ✅ Erforderlich
Durchlassrohr-Filterummantelung ✅ Primäre Wahl
Erosionsschutz für abgeschnittene Böschungen. ✅ Primäre Wahl
Trennung zwischen Untergrund und Tragschicht ✅ (für Verstärkung) ✅ (nur zur Trennung) ✅ Wenn beide benötigt werden
Deponieauskleidungsdrainageverbund ✅ (als Filter-/Schutzschicht) ✅ Mit Geonet-Drainage
Küstenbefestigung / Unterlage für Riprap ✅ Filtergewebe
Entwässerungsschicht für Gründächer ✅ Filter/Trennung
Bahnunterballaststabilisierung ✅ Primäre Wahl ✅ Trennschicht ✅ Üblich in der Praxis

Können Geogitter und Geotextilien zusammen verwendet werden?

In einem erheblichen Anteil realer geotechnischer Anwendungen – insbesondere auf weichen oder variablen Untergrundböden – erfordert das ingenieurtechnische Problem gleichzeitig sowohl Verstärkungs- als auch Filtrations-/Trennleistung, und weder Geogitter noch Geotextil allein reichen aus, um beide Anforderungen zu erfüllen. Die anerkannte ingenieurtechnische Lösung besteht darin, beide Materialien gemeinsam zu verwenden, entweder als separat spezifizierte und separat installierte Schichten oder als vorgefertigten Geokomposit, bei dem ein Geogitter und ein nicht gewebtes Geotextil werkseitig zu einem einzigen Produkt verbunden sind.

Bei der Bauweise unbefestigter Straßen über weichem Untergrund wird beispielsweise ein nicht gewebtes Geotextil typischerweise direkt auf den Untergrund gelegt, um eine Verunreinigung der Tragschicht durch Feinanteile zu verhindern, und ein biaxiales Geogitter wird unmittelbar oberhalb des Geotextils innerhalb oder am Fuß der Aggregatfüllung platziert, um Zugverstärkung und seitliche Einschränkung des Aggregats zu bieten. Die beiden Schichten ergänzen sich: Das Geotextil übernimmt Filtration und Trennung, die das offenporige Geogitter nicht leisten kann, während das Geogitter eine Verstärkungssteifigkeit liefert, die das Geotextil nicht erreichen kann. Wenn diese Kombination korrekt spezifiziert und installiert wird, kann sie die erforderliche Dicke der Aggregatfüllung im Vergleich zur unverstärkten Bauweise auf gleichwertigem Untergrund um 30–50 % reduzieren; diese Einsparung überwiegt in der Regel deutlich die zusammengerechneten Kosten beider geosynthetischer Schichten. Geokompositprodukte, die ein Geogitter mit einem nicht gewebten Geotextil verbinden, vereinfachen die Installation in diesem Szenario, indem sie relative Verschiebungen zwischen den beiden Schichten während der Aggregataufbringung und -verdichtung vermeiden.

Materialauswahl-Leitfaden: Ingenieurtechnisches Entscheidungsrahmenwerk

Die richtige Auswahl zwischen Geogitter, Geotextil oder einer Kombination aus beiden beginnt mit einer klaren Identifikation der dominanten geotechnischen Funktion, die erforderlich ist – ein Schritt, der vor jeder Berücksichtigung von Produktnormen, Gewichten oder Zugfestigkeitsangaben erfolgt. Folgende Entscheidungslogik gilt:

Verwenden Sie ein Geogitter, wenn die primäre ingenieurtechnische Notwendigkeit darin besteht, die Tragfähigkeit oder Zugfestigkeit eines granularen Bodens oder Aggregatsystems zu erhöhen, eine Stützmauer zu stabilisieren, einen steilen Hang oder eine Böschung zu verstärken oder die differentielle Setzung unter angewandter Oberflächenbelastung zu reduzieren. Der Untergrund-California-Bearing-Ratio (CBR)-Wert und die angewandte Bemessungslast sind die wichtigsten Eingangsparameter für die Geogitterauswahl; die Produktspezifikation wird durch den erforderlichen Zugmodul bei 21 % Dehnung (nicht allein durch die maximale Zugfestigkeit) gemäß ASTM D6637 oder ISO 10319 bestimmt.

Verwenden Sie ein Geotextil, wenn die primäre ingenieurtechnische Notwendigkeit darin besteht, zwei Bodenschichten unterschiedlicher Partikelgrößen zu trennen, Wasserbewegungen an einer Boden-Aggregat-Grenzfläche zu filtern und dabei Bodenteilchen zurückzuhalten, eine in-plane Drainage von Wasser innerhalb einer Bodenmasse zu ermöglichen oder einen Hang, eine Böschungsfassade oder eine Uferbefestigung vor Oberflächenerosion zu schützen. Die AOS-Auswahl richtet sich nach der D₈₅-Partikelgröße des benachbarten Bodens gemäß den AASHTO M288-17-Filterdesignkriterien; die Permeabilität muss den hydraulischen Gradientenanforderungen entsprechen oder diese überschreiten.

Verwenden Sie beides – oder einen Geokomposit –, wenn die Anwendung sowohl einen schwachen Untergrund erfordert, der verstärkt werden muss, als auch eine Bodenbedingung, die Trennung oder Filtration erfordert, wie es typischerweise bei unbefestigten Straßen über schluffigen oder tonigen Untergrund, bei der Sanierung von Eisenbahnschienenbetten und bestimmten Küstenschutzszenarien der Fall ist.

Häufig gestellte Fragen

F1: Was ist der Hauptunterschied zwischen Geogitter und Geotextil (Geofabrik)?

Der Hauptunterschied liegt in Funktion und Struktur. Ein Geogitter ist ein offenporiges Polymergitter, das den Boden und das Aggregat durch mechanische Verzahnung verstärkt, während ein Geotextil (Geofabrik) eine durchgehende permeable Gewebefolie ist, die Filtration, Trennung und Drainage übernimmt. Keines der beiden Produkte erfüllt effektiv die Hauptfunktion des anderen; daher werden sie häufig gemeinsam in anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt.

F2: Kann ich Geotextil anstelle von Geogitter für die Straßenverstärkung verwenden?

Geotextil allein ist kein adäquater Ersatz für Geogitter in strukturellen Straßenuntergrundverstärkungsanwendungen. Obwohl gewebte Geotextilien auf sehr weichen Untergründen etwas Zugbeitrag leisten, fehlt ihnen die Öffnungsgeometrie, um mit Aggregatpartikeln zu verzahnen und den seitlichen Einschlussmechanismus zu erzeugen, der der Hauptleistungsvorteil des Geogitters ist. Für die Straßenuntergrundverstärkung, bei der Zugsteifigkeit und Aggregat-Einschluss die Entwurfsziele sind, ist ein biaxiales oder triaxiales Geogitter die richtige Spezifikation.

F3: Welches ist stärker – Geogitter oder Geotextil?

Es kommt darauf an, was gemessen wird. In der Zugfestigkeit übertreffen hochwertige Geogitter (100–200+ kN/m) die meisten gewebten Geotextilien für strukturelle Anwendungen. Allerdings besitzen Geotextilien keine Eigenschaften wie Durchstichfestigkeit, Reißfestigkeit und in-plane Drainagekapazität (Transmissivität), die Geogitter überhaupt nicht aufweisen; daher sind direkte Festigkeitsvergleiche weniger aussagekräftig als funktionsspezifische Leistungsvergleiche. Die richtige Frage lautet nicht “Welches ist stärker?”, sondern “Welches erfüllt die erforderliche geotechnische Funktion besser?”

F4: Wofür wird Geogitter verwendet?

Geogitter werden hauptsächlich zur Bodenverstärkung in Anwendungen eingesetzt, darunter: Bau von mechanisch stabilisierten Erde (MSE)-Stützmauern; Stabilisierung unbefestigter und befestigter Straßenuntergründe über schwachem Untergrund; Verstärkung steiler Hänge und Böschungen; Bahnunterballaststabilisierung; sowie Lastverteilung unter Fundamenten und festen Flächen auf weichem Boden. Biaxiale Geogitter werden dort eingesetzt, wo Verstärkung in beiden Richtungen erforderlich ist (Straßen, feste Flächen); uniaxiale Geogitter werden bevorzugt für MSE-Wände und Hänge verwendet, wo die primäre Belastungsrichtung definiert ist.

F5: Welche Art von Geotextil eignet sich am besten für Drainageanwendungen?

Nicht gewebte Nadelvlies-Geotextilien werden generell für Drainageanwendungen bevorzugt, da ihre zufällige Faserstruktur eine hohe in-plane Drainagekapazität (Transmissivität) und effektive Partikelrückhaltung über eine Vielzahl von Bodentypen bietet. Für die Umwicklung von Drainagerohren ist ein nicht gewebtes Geotextil mit einer AOS, die der D₈₅ des umgebenden Bodens gemäß den AASHTO M288-17-Kriterien entspricht, die branchenübliche Spezifikation. Gewebte Geotextilien eignen sich besser für Trennanwendungen, bei denen eine hohe Zugfestigkeit unter dauerhafter Belastung wichtig ist.

F6: Wie wähle ich zwischen Geogitter und Geotextil für mein Projekt aus?

Identifizieren Sie die dominierende geotechnische Funktion, die Ihr Projekt erfordert. Wenn Sie die strukturelle Tragfähigkeit einer granularen Schicht erhöhen, seitlichen Kräften in einer Stützkonstruktion widerstehen oder eine Böschung verstärken müssen – spezifizieren Sie ein Geogitter. Wenn Sie verhindern möchten, dass Feinanteile des Untergrunds eine Aggregatschicht verschmutzen, Wasser an einer Boden-Grenzfläche filtern, Oberflächenerosion kontrollieren oder ein Drainagerohr umwickeln müssen – spezifizieren Sie ein Geotextil. Wenn Ihr Projekt beide Funktionen gleichzeitig erfordert (häufig bei Straßenbau auf weichem Boden), spezifizieren Sie beide Produkte in komplementären Schichten oder wählen Sie einen werkseitig verbundenen Geokomposit, der Geogitter und nicht gewebtes Geotextil in einem einzigen Produkt kombiniert.

Schlussfolgerung

Anstatt miteinander zu konkurrieren, sind Geogitter und Geotextilien ergänzende geosynthetische Technologien, die jeweils auf einen spezifischen Mechanismus der Boden-Material-Interaktion ausgelegt sind, den das andere Material nicht nachahmen kann. Geogitter gewinnen ihren ingenieurtechnischen Nutzen aus der mechanischen Verzahnung zwischen ihrer offenen Struktur und den umgebenden Granulatpartikeln. Dadurch entstehen Zugkonfinierungskräfte, die schwache granulare Materialien in verstärkte Systeme mit struktureller Tragfähigkeit verwandeln.

Im Gegensatz dazu beziehen Geotextilien ihren ingenieurtechnischen Nutzen aus ihrer stofflichen Kontinuität. Diese ermöglicht es Wasser durchzutreten, während sie gleichzeitig die Wanderung von Bodenpartikeln verhindert und somit eine Filtrations- und Trennfunktion erfüllt, die mit der offenen Struktur eines Geogitters grundsätzlich unvereinbar ist. Die Auswahl des richtigen Materials aus diesen beiden Produktfamilien erfordert eine klare Diagnose der primären geotechnischen Funktion, die für die Anwendung erforderlich ist, gefolgt von der Festlegung der Leistungsparameter – wie Zugmodul, AOS und Permittivität –, die auf Produktniveau die In-Service-Leistung steuern. Bei komplexen Anwendungen, in denen sowohl Verstärkung als auch Filtration erforderlich sind, liefert die Kombination beider Materialien in einem sorgfältig konzipierten Zweischicht- oder Geokompositsystem Leistungsergebnisse, die keines der beiden Materialien allein erreichen könnte.

 

Referenzen:

Koerner, R.M. Entwerfen mit Geosynthetika, 6. Auflage. Xlibris Corporation, 2012.

Holtz, R.D., Christopher, B.R. & Berg, R.R. Geosynthetische Ingenieurwissenschaft. BiTech Publishers, 2008.

ASTM D4439. Standardterminologie für Geosynthetika. ASTM International. (Aktuelle Ausgabe)

ASTM D6637. Standardprüfmethode zur Bestimmung der Zugfestigkeit von Geogittern. ASTM International.

AASHTO M288-17. Standard-Spezifikation für Geotextilien für Straßenbauanwendungen. American Association of State Highway and Transportation Officials, 2017.

ISO 10318-1:2015. Geosynthetika — Teil 1: Begriffe und Definitionen. Internationale Organisation für Normung.